„Harald Gerlach“ – Literaturstipendium 2019

Vera Vorneweg erhält Thüringer Literaturstipendium

Am 16. April 2019 fand die feierliche Übergabe des Thüringer Literaturstipendiums „Harald Gerlach“ an die in Düsseldorf lebende Schriftstellerin Vera Vorneweg statt.

Vera Vorneweg
Vera Vorneweg (Foto: Sarah Simon)

Das nach dem Thüringer Autor Harald Gerlach (1940 - 2001) benannte, durch Ingo Schulze initiierte, Literaturstipendium wird bereits seit 2009 vergeben. In diesem Jahr wurde das renommierte Autorenstipendium erstmalig durch die Kulturstiftung des Freistaats Thüringen vergeben. Dotiert ist es mit 12.000 Euro und wird maximal für ein Jahr für literarisch hochrangige Projekte, dessen Texte noch unveröffentlicht sind vergeben. Voraussetzung für die Förderung ist, dass der/die Autor*in seinen ständigen Wohnsitz in Thüringen hat oder der Geburtsort in Thüringen liegt oder das Projekt einen deutlichen Thüringen Bezug aufweist (Förderrichtlinie). Die Mitglieder des 12-köpfigen Kuratoriums der Kulturstiftung entscheiden auf Empfehlung einer vorher gewählten Fachjury.

Chef der Staatskanzlei Benjamin-Immanuel Hoff und Vera Vorneweg

Frau Vornweg überzeugte die diesjährige Fachjury - darunter Dr. Daniela Danz, Nora Milenkovic und Joachim von Zepelin – mit ihrem Projekt „Roman der Vielen“, für das sie zwei Monate als Dorfschreiberin in dem 400-Seelendorf Kaltenlengsfeld (Landkreis Schmalkalden-Meiningen) verbrachte. Insgesamt verfasste sie während ihrer Zeit in der Rhön 300 Seiten, die nun die Basis für ihren fiktionalen Roman bilden soll. In der Jurybegründung heißt es:

„Vera Vorneweg geht bei der Recherche ganz nah heran an den Ort und seine Bewohner, sie beobachtet genau und behält gleichzeitig den Blick der Fremden, die staunend wahrnimmt, was sich ihr nicht erschließt, und die auch ihr Nichtverstehen immer wieder selbst zum Thema macht. Sie ist jemand, der vor Ort ist, und gleichzeitig ganz woanders, sie sammelt, was ihr begegnet, und sie transzendiert es gleichzeitig. Und indem sie sich dieser Doppelrolle ganz bewusst und selbstreflektierend stellt, entsteht in ihrem Text eine produktive Ambivalenz des Vorortseins.

Auch sprachlich weitet sie den wohldefinierten Raum des Dorfs, seine für die Autorin unfassbare Stille, in der gerade darum jedes Geräusch zum Ereignis wird, zum Ausgangspunkt für Imagination, für einen gedanklichen Ausflug, der aus dem engen Wirklichkeitsraum einen Pfad in den literarisch gefassten Möglichkeitsraum erschließt.“

Eröffnet wurde die feierliche Übergabe am vergangenen Dienstag im Kultur: Haus Dacheröden in Erfurt mit einem Grußwort durch Thüringens Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei, Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff. Es folgten engagierte, instruktive, pointierte und kurzweilige Reden von Dr. Michael Grisko (Projektentwicklung und-förderung bei der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen), Joachim von Zepelin (Mitglied der Fachjury und des Kuratoriums der Kulturstiftung des Freistaats Thüringen) sowie ein Beitrag von Harald Lochner aus der Perspektive des Dorfes Kaltenlengsfeld. Den Abschluss bildete die Autorin und Preisträgerin mit der Lesung eines eindrucksvollen und berührenden Dankesbriefes an den verstorbenen und namensgebenden Autor Harald Gerlach. Musikalisch umrahmt wurde der Abend durch den Sänger und Gitarristen  Udo Hemman und Constanze Ulrich an der Violine.

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